Frauke Materlik

Um zum Künstlerdorf nach Schöppingen zu kommen muss man durch pittoreske kleine Orte fahren, in denen jede Hecke gestutzt ist und auf keinem Hof auch nur ein Halm liegt. Man grüsst sich auf der Strasse und frisch gestrichene Gartenzäune lösen zuweilen Beklemmungen aus – die Vorstellung von einem Künstlerdorf an diesem Ort scheint absurd. Normen und Regeln ersticken kreative Entfaltung direkt im Keim, Subkultur bleibt ausserhalb der Glocke, die diese Orte umschließt.

 

Doch inmitten eines Komplexes aus alten Bauernhäusern bietet die Stiftung Künstler*innen Wohn- und Arbeitsstipendien an. Auch als Landschaftsarchitektin ist der Künstlerin Frauke Materlik die besondere Beschaffenheit der münsterländer Spießbürgerlichkeit aufgefallen, alles ist strukturiert, geschnitten, gestutzt und in Form gebracht. In ihren Arbeiten hinterfragt sie die zeitgenössische Landschaft kritisch und lässt sich von ihr leiten. Während sie oft konzeptuell in Installationen und Performances arbeitet, bietet die Ruhe und Isolation des Künstlerdorfes Raum und Zeit, um auf Papier zu arbeiten und zu drucken. Der Aufenthalt im Künstlerdorf entschleunigt und lässt es dem Prozess zu sich zu entfalten. Obwohl das Gelände öffentlich zugänglich ist, so abgeschirmt scheinen die Künstler*innen für sich zu sein.